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3 Minuten mit: Björn Tombrink

Teilnehmer der Umschulung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung

Der gebürtige Nürnberger lebt seit zwei Jahren in Essen und wollte ursprünglich eine Laufbahn als Militärattaché einschlagen. Weshalb er sich dann aber für eine IHK-Umschulung zum Fachinformatiker und für einen Umzug nach Essen entschied, lest ihr in seinem Interview.

Herr Tombrink, wie sind Sie zur Bfz-Essen GmbH gekommen?

Das kam durch meinen Ansprechpartner beim JobCenter. Ich kannte eine Institution wie die Bfz Essen überhaupt nicht und hatte zuvor nie ein Berufsförderungszentrum oder eine ähnliche Einrichtung von innen gesehen. Klar war mir vor meiner Umschulung nur, dass ich etwas mit Informatik machen möchte.

Obwohl ich zunächst nicht wusste, worauf ich mich da einlasse, bin ich bisher nur positiv überrascht. Ich dachte, die Umschulung wird sehr trocken, anonym und beinhaltet Aufgaben, die man sich größtenteils selber beibringen muss. Aber wir haben wirklich sehr gute Dozenten, die in der Lage sind, sehr gut zu vermitteln. Außerdem haben wir im Klassenverband eine unglaublich tolle Truppe und der Draht der Dozenten zur Klasse ist wirklich super. Gerade wenn man bedenkt, dass das Alter der Teilnehmer*innen von 23 Jahre bis 56 Jahre reicht, ist es umso erfreulicher, dass wir so einen guten Zusammenhalt in der Klasse haben. Vielleicht liegt das auch daran, dass wir aktuell eine reine Männerklasse sind und die Witze auch ruhig mal herber sein können.

Was war bisher die größte Herausforderung während Ihrer Umschulung?

Naja, ich hatte zuvor nicht eine einzige Zeile Programmierungscode geschrieben und anfangs musste man sich echt in die Lerninhalte einarbeiten. Vor allem die Denkweise eines Programmierers muss man erstmal verinnerlichen; es ist in gewisser Weise ein fortgeschrittenes „um-die-Ecke-Denken“. Beim Programmieren muss man Probleme mit ein paar Werkzeugen, die man an die Hand bekommt, selber lösen und den Weg zum Ziel quasi eigenständig finden. Aber wie gesagt, die Dozenten erklären gut und von den Noten her bin bisher gut dabei.

Was haben Sie vor Ihrer Umschulung gemacht?

Vor meiner Umschulung habe ich Politikwissenschaften studiert. Ursprünglich wollte ich nämlich mal Militärattaché, also Diplomat werden und dazu benötigt man ein Studium. Nur kam ich leider aufgrund meiner Sehstärke nicht mehr für das Militär infrage. Deshalb habe ich mich auf das berufen, was ich seit meiner Schulzeit schon immer interessant fand: die Informatik.

Im März 2020 beginnt die 11-monatige Praktikumsphase, die Teil jeder Informatik-Umschulung ist. Wissen Sie schon, wo Sie ihr Praktikum absolvieren werden?

Ja, sehr wahrscheinlich gehe ich zu Soccerwatch (https://soccerwatch.tv/), einem Streaming-Portal für mittelgroße Sportvereine der Regional- oder Landesliga, mit Firmensitz in Essen. Dabei werden Turniere gefilmt und online gestellt. Das ist gerade wichtig für Vereine, deren Spiele nicht im Fernsehen übertragen werden.

Und was möchten Sie nach Ihrem IHK-Abschluss machen?

Das ist eine gute Frage. Vielleicht bleibe ich bei Soccerwatch in Essen oder ich versuche, in ein großes Unternehmen zu kommen. Oder aber: ich ziehe zurück nach Nürnberg, woher ich ursprünglich auch komme. Besonders interessant wäre es, wenn ich dann noch eine Stelle bei DATEV bekommen würde. Die sitzen in Nürnberg und mein damaliges Gymnasium hatte ein Joint Venture mit diesem Unternehmen. Ich hätte damals die Möglichkeit gehabt, nach dem Abitur ein duales Studium bei DATEV zu absolvieren, entschied mich dann aber für ein Studium der Politikwissenschaften mit Aussicht auf eine Militärlaufbahn.

Sie kommen also aus Nürnberg, wie kommen Sie dann nach Essen?

Als ich vor zwei Jahren nach Essen kam, hatte das mehrere Gründe: zum einen musste ich damals mein Studium aus finanziellen Gründen beenden und zum anderen löste sich mein damaliger Freundeskreis durch Umzüge der Freunde in andere Städte auf. Als dann auch noch ein Beziehungsende hinzukam, war ein Umzug nicht mehr abwegig. Als mich also nicht mehr allzu viel in Nürnberg hielt, war der ausschlaggebende Punkt nach Essen zu ziehen der, dass meine Mutter hier wohnte.

Dass dies alles so kam, finde ich heute gut und richtig so, denn so kam ich zu dieser Umschulung und habe wieder einen geraden Weg nach vorne vor mir liegen.

Bemerken Sie große Unterschiede zwischen Nürnberg und Essen?

Naja, die Franken sind ein sehr verschlossenes Volk, das ist im Ruhrgebiet anders. Es handelt sich oft um Kleinigkeiten, in denen sich das Handeln der Menschen unterscheidet, aber man merkt die grundlegende Einstellung der Leute daran schon. In Essen habe ich mich zum Beispiel mal spontan 45 Minuten lang mit einem Kassierer über ein Thema unterhalten, obwohl ich den Mann vorher nicht kannte. Das wäre in Nürnberg undenkbar. Die Menschen dort sind nett und herzlich, aber eben nur, wenn sie einen kennen. Des Weiteren kommt hinzu, dass die Lebensunterhaltungskosten in Essen sehr viel niedriger sind. Das merkt man vor allem bei den Wohnungspreisen. Ich zahle jetzt weniger als in Nürnberg, habe aber eine größere Wohnung, das Centro in der Nähe und einen Park vor meinem Balkon: den Gleispark Frintrop. Außerdem wohne ich direkt in der Nähe meines Lieblingsladens: Five Guys, einer Burgerkette aus den USA. Und als Freund des amerikanischen Essens freue ich mich darüber natürlich besonders.


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